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Tim Wiese – SSV Dillingen

Hallo Tim, nach sechs Länderspielen für Deutschland, 55 Europapokaleinsätzen und 269 Bundesligaspielen für den 1. FC Kaiserslautern, Werder Bremen und die TSG Hoffenheim hast du 2014 deine Profikarriere beendet. Ab und zu hältst du aber noch in Abschieds- und Charityspielen, in denen dein Können zwischen den Pfosten immer noch aufblitzt. Daher freuen wir uns sehr, dir als wahrlich schillernde Torwartpersönlichkeit einige Fragen stellen zu dürfen.

Wie schon eingangs erwähnt, ist dein letztes Profispiel schon über fünf Jahre her. Vermisst du den Profifußball?

Nein. Ich weiß, für viele Amateure ist es ein sportlicher Traum, da oben zu stehen. Letztendlich ist es aber ein knallhartes Business, in dem heute die Leistungen von gestern nicht mehr zählen. So ging es mir doch seinerzeit in Hoffenheim. Darum ist es, wenn man das Ganze realistisch sieht, nur wichtig, in seiner Zeit als Profifußballer das Morgen zu sichern. Das ist mir gelungen, ich habe ausgesorgt.

Aber nun nochmal zurück zu den Anfängen. Wie bist du denn eigentlich Torwart geworden?

In der E-Jugend meines Stammvereins DJK Dürscheid war ich noch Stürmer. Dann wechselte ich 1989 in die Juniorenabteilung von Bayer 04 Leverkusen, wo ich von meinem Trainer wegen Achillessehnenproblemen ins Tor beordert wurde. Dort habe ich es dann wohl ganz gut gemacht, denn in der Folge durchlief ich auf dieser Position alle Jugendmannschaften bei Bayer.

Während deiner Zeit im Nachwuchsbereich sowie in deiner aktiven Laufbahn hast du sicher sehr viel gelernt. Hast du Tipps für junge aufstrebende, aber auch aktive Torhüter?

Wichtig ist, als Torwart vor allem gegenüber dem Gegner Selbstbewusstsein zu verkörpern und mental für sich selbst, sowie in der Außenwirkung auf den Gegner, ein richtiger Typ zu sein, auf den sich die Mannschaft in Krisensituationen verlassen kann. Grundbaustein jedes Erfolgs ist meiner Ansicht nach nach wie vor hartes, konzentriertes Training, das vorwiegend auf das Parieren von Bällen abzielt. Meiner Ansicht nach sollten sich viele junge Torhüter, im Gegensatz zum aktuell weit verbreiteten Wahn, nicht zu sehr auf die immer mehr geforderten spielerischen Komponenten konzentrieren. In jeder Liga, von der Champions-League bis hinunter in die C-Klasse, gibt es deutlich mehr Mannschaften, die einen guten Keeper in der Torverteidigung benötigen als im Spielaufbau. Natürlich sind gute Fußballer zwischen den Pfosten für spielerisch überlegene Mannschaften von gewissem Vorteil, überbewerten sollte man das jedoch nicht.

In deiner Karriere hast du viele Höhen und Tiefen erlebt, daher würden wir gern wissen, welches dein schönster Moment als Profi war?

Tim Wiese - Popes

Hier steht der DFB-Pokalsieg mit Werder Bremen 2009 sicherlich genauso an erster Stelle, wie ein gutes halbes Jahr vorher mein Debüt in der Nationalmannschaft an gleicher Stelle im Berliner Olympiastadion gegen England. Experte Oliver Kahn sprach danach im TV von einer außergewöhnlichen Torwartleistung von mir. Weniger bedeutet mir der dritte Platz bei der WM 2010 in Südafrika, denn nicht nur nach Meinung vieler Experten und sogar Mitspieler hätte ich dort aufgrund des damaligen Leistungsstandes der drei nominierten Torhüter zwischen den Pfosten stehen müssen.

Als ehemaliger Nationaltorwart kamst du sicher auch mal in den Genuss mit Oliver Kahn, Jens Lehmann oder anderen deutschen Torhütern zu trainieren. Haben diese dich geprägt? Wie war die Stimmung?

Da ich erst 2008 zur Nationalmannschaft kam, war ich mit beiden niemals zusammen im Kader und habe infolgedessen auch nicht mit ihnen trainiert – bis auf eine Ausnahme. 2001 oder 2002 durfte ich als U21- Nationalkeeper in Nürnberg mit dem A-Team und Oliver Kahn einmal auf dem Trainingsplatz mitwirken, da Jens Lehmann kurzfristig verletzt war. Es ist ja bekannt, dass mich Lehmann schon einmal verklagt hat, jedoch erfolglos. Mit seiner Person und seinem Charakter verbinden mich eher wenig Gemeinsamkeiten. Wer austeilt, muss meiner Ansicht nach auch einstecken können. Großen Respekt habe ich jedoch vor Oliver Kahn als Persönlichkeit und seinem sportlichen Lebenswerk.

In dieser Zeit entwickelten sich sicher auch einige Rituale. Kannst du uns einen kleinen Einblick in diese geben?

Nein, da hatte ich keine. Wenn mir im Mannschaftshotel vor den Spielen langweilig war, habe ich durchaus auch `mal zur Zigarette gegriffen.

Aber nun zu unserer Kernkompetenz, den Torwarthandschuhen. Kannst du uns sagen, was für dich an einem Torwarthandschuh besonders wichtig ist und war?

Hauptaspekt waren für mich immer Passform und natürlich der Grip, weshalb ich in den seltensten Fällen nagelneue Handschuhe zum Spiel verwendet habe. Prinzipiell war und bin ich für neue Ideen und vor allem aufregende Designs immer offen gewesen. Allzu sehr musste ich mich aber nie damit befassen, da Christoph Nowak schon zu Bremer Zeiten meine NIKE-Modelle veredelt hat und diese dann auch absolut gut waren.

Was sind Torwarthandschuhe für dich? Luxus, Mode oder etwas anderes?

Tim Wiese

Zu allererst natürlich ein extrem wichtiges Hilfsmittel zwischen den Pfosten. Klar finde ich Torwarthandschuhe mit einem coolen oder gar extravaganten Design, die zu mir auch als Typ passen, interessant. Vielleicht sollte POPE’s mal einen Wiese-Handschuh im Style meines rosanen Kappa-Torwarttrikots seinerzeit auflegen lassen.

Wie hast du deine Handschuhe gepflegt oder pflegen lassen?

Dies haben bei mir eigentlich immer die Zeugwarte und Waschfrauen erledigt. Torwarthandschuhe kann man problemlos in der Waschmaschine reinigen, man darf sie nur nicht zu heiß waschen oder gar Weichspüler hinzufügen.

Wie lange hast du einen Handschuh getragen?

Je nach Gefühl, zum Teil habe ich mit ausschließlich im Spiel verwendeten Torwarthandschuhen ganze Halbserien agiert, bis ich entweder einen Fehler gemacht habe oder es mit dem Team nicht gut lief. Natürlich tut man sich ein wenig schwer, Torwarthandschuhe auszumustern, mit denen man erfolgreich war. Aber es gab oder gibt ja im Profibereich schon so einige Spinner, die zum Training mit sechs verschiedenen Modellen rausgehen, jedes Spiel mindestens ein neues Paar benötigen und die Produktmanager der jeweiligen Ausstatter mit den abenteuerlichsten Wünschen nahezu in den Wahnsinn treiben.

Hattest du einen Keeperhack, mit dem du das Beste aus deinen Handschuhen herausgeholt hast?

Christoph Nowak hat mir mal den Tipp gegeben, Torwarthandschuhe bei 40 Grad in der Maschine mit einem Schuss Perwoll sport activecare 3D Flüssig-Waschmittel sowie ein wenig ACE milde Bleiche im Extraspülgang zu reinigen.

Unsere Keeperhacks findet Ihr hier!

Seit vielen Jahren vertraust du im Ausrüstungsbereich auf besagten Christoph Nowak. Was macht die Arbeit mit Christoph und seinen Handschuhen so besonders?

Zwischen uns stimmt einfach die menschliche Chemie, wir sind seit Jahren gut befreundet und konnten uns immer aufeinander verlassen. Zudem besitzt er ein enormes Fachwissen, nicht nur hinsichtlich von Torwarthandschuhen, sondern auch im Torhüterbereich allgemein. Was er angreift, hat Hand und Fuß, sei es bei der Ausrüstung oder bei der Organisation meines Einsatzes damals für seinen Klub SSV Dillingen. Ich finde es auch wirklich unglaublich, dass sein zehnjähriges, total erfolgreiches Wirken für KEEPERsport Ende 2017 so ein abruptes Ende nahm. Die Firma kannte doch, bevor er dorthin kam, in Deutschland kein Mensch.

Gut ein Jahr nach der Trennung haben sich mit dem Düsseldorfer Sportvorstand Lutz Pfannenstiel und mir sage und schreibe 13 Profipartner von ihr abgewendet, das sagt doch eigentlich alles aus. Wir haben oft darüber gesprochen. Ihm geht es um das Wohl des Torhüters und weniger um den Kommerz, da gingen die Meinungen am Ende wohl zu deutlich auseinander. Großen Respekt habe ich davor, dass er dort seine Werte bis zum Ende vertreten und sich nicht verbiegen lassen hat.

Warum vertraust du aktuell den POPE’s-Torwarthandschuhen, welche Christoph immer wieder für dich entwickelt? Früher warst du ja in den festen Händen von NIKE.

Ganz am Anfang, bei Fortuna Köln, hat mich DERBYSTAR ausgerüstet, beim FCK hatte ich dann erstmals uhlsport. Bei Werder musste ich aufgrund von Vereinsverträgen zunächst auf Reusch, dann auf Uhlsport zurückgreifen. Mit Uhlsport kam es seinerzeit zu Komplikationen, weil ich lieber die Uhlsport Sondereditions von Christophs früherem Arbeitgeber angezogen habe, als das uns regulär gestellte Material. Da in der Nationalmannschaft die Handschuhwahl frei war und ich zugleich Schuhe von NIKE bekam, habe ich dort dann auch auf deren Torwarthandschuhe zurückgegriffen. Als der Uhlsport Vertrag von Werder Bremen dann auslief und NIKE Globalausstatter des Vereins wurde, bekam ich dort einen sehr gut dotierten Privatkontrakt. Dieser lief nach meinem Karriereende aus, weshalb ich dann immer von Christoph mein Material bekommen habe. NIKE-Handschuhe habe ich noch einmal bei meinem Einsatz für die SSV Dillingen getragen, dies war aber Teil einer Absprache zwischen dem Konzern, der das Spiel gesponsort hat, und Christoph als Vereinsvorsitzenden.

Es ist für mich Ehrensache, mit POPE ’s das Projekt eines Freundes zu unterstützen. Dies ist aber nicht nur ein reiner Freundschaftsdienst, ich bin von dem Konzept auch total überzeugt, da es sinnvolle, preiswerte Torwartprodukte ohne viel unnützen, teuren Schnick-Schnack, dafür aber mit Know-How, Herz, Leidenschaft, Authentizität und Menschlichkeit hervorbringt. Christoph hat zudem einen exzellenten Ruf bei den Profitorhütern und steht eigentlich mit allen Größen der Branche in regelmäßigem Austausch – das sind alles Alleinstellungsmerkmale, die man weder studieren, noch eben schnell einkaufen kann!

Lest unseren Handschuhtest zum POPE’s – Capture Pure

Bei Christophs Verein SSV Dillingen gabst du am 1. April 2017 dein Pflichtspiel-Comeback. Wie kam es zu diesem Comeback?

Er lag mir damit ja schon jahrelang in den Ohren. Nach meinem ersten Wrestling-Kampf in den frühen Morgenstunden des 04. November 2016 hat er mir in der Hotelbar in München den Spielrechtsantrag vorgelegt, den ich dann, zwar ein wenig alkoholisiert, aber auch in vollem Bewusstsein, unterschrieben habe.

Als dieser dann öffentlich wurde, gab es sofort, bis nach dem Spiel knapp fünf Monate später, ein unglaubliches Medieninteresse, obwohl es damals noch gar keine konkreten Planungen für einen Einsatz gegeben hatte. Die Tage in Dillingen waren dann, abgesehen von der Niederlage, einzigartig positiv, von der tollen Erfahrung des Trainings mit einer Behindertenmannschaft bis hin zur gemeinsamen Party mit beiden Teams zusammen nach dem Match. Das ein Achtligaspiel mit knapp 2.500 Zuschauern live bei BILD online, sowie gleichzeitig auf der Facebook-Seite des Bayerischen Fußball-Verbandes übertragen wird, war sicherlich auch einmalig.

Im Endeffekt hat diese Geschichte, mit der ich auch dem Amateurfußball allgemein etwas Gutes tun wollte, für mehr Aufsehen gesorgt als mein Wrestling-Debüt, wobei bei der SSV Dillingen mit Ehrenamtlichen vieles professioneller ablief als bei der WWE.

Wird es weitere Pflichtspiele geben?

Tim Wiese - Popes

Ich denke, da ist Christoph mit mir auch einer Meinung, dass man das damalige Event so nicht mehr wiederholen oder gar toppen kann. Einige andere Ex-Profis, wie zum Beispiel Stefan Kießling, haben danach auch versucht unsere Story zu kopieren, allerdings ohne größere Beachtung der Medien und der Öffentlichkeit. Die SSV Dillingen hat zudem mit dem ehemaligen Zweitligaschlussmann Felix-Adrian Körber sowie dessen Stellvertreter Marco Manzano Vela, mit dem sich im Nachgang des Spiels damals ebenso eine Freundschaft entwickelt hat, zwei hervorragende Torhüter. Natürlich soll man auch niemals nie sagen, wenn zum Beispiel eine Notsituation vorliegt. Ich bin nach wie vor topfit und für die SSV spielberechtigt. Der Verein feiert 2020 sein 100-jähriges Jubiläum, vielleicht ergibt sich dazu nochmal etwas, wer weiß…

Wie findest du die Idee des Torwarthandschuh Testers?

Da der heutige Kauf vorwiegend online abgewickelt wird, ist dies eine klasse Möglichkeit, sich vorab über die Produkte eingehender zu informieren. Das klassische Sportgeschäft vor Ort hat zwar vielleicht mehr Beratungskompetenz, aber heute kaum noch eine entsprechende Produktpalette vorrätig, um einem Amateurkeeper eine gute Auswahl und schlussendlich das für ihn am besten passende Produkt zu bieten.

Für viele Onlinehändler sind Torwarthandschuhe zudem weniger wichtig, sie übernehmen oftmals die vorgefertigten Produktbeschreibungen der Hersteller. Manchmal scheint es wirklich so, dass diese gar nicht von den Spezialisten verfasst werden, sondern von irgendwelchen Praktikanten, die gar keine Ahnung von der Materie haben und einfach irgendetwas schreiben, das gar nicht sinnvoll auf das Produkt eingeht. Daher verkörperst auch du mit deiner Idee für mich viel mehr Kompetenz.

Vielen Dank, Tim, für das interessante und offene Interview!

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